Der heute praktizierte Brauch rührt her vom alt-verbrieften Recht der mittelalterlichen Studenten, zu ihrem Schutz auf der Wanderung zwischen den Universitäten, Waffen zu führen und sich dazu im Fechten zu üben. Später waren auch der Ehrenhändel, das Fechten aus Rauflust und das formelle Duell zwecks Satisfaktion (Genugtuung) über Zeiten für das Studententum charakteristisch. Über die Jahrhunderte aber entwickelte sich von diesem ernsten Hintergrund das studentische Fechten hin zur heutigen ritualisierten Form: der Bestimmungsmensur.
Bei einer solchen Mensur wird die Besetzung der Partie zwischen verschiedenen Verbindungen aus freien Stücken ausgehandelt (also bestimmt), und zwar so, dass von Konstitution und Können her gleichwertige Kontrahenten aufeinandertreffen. Damit hat sich die Mensur längst vom früheren Duell gelöst, dessen Grund stets in einer Ehrverletzung lag, weswegen man den Gegner nicht wählen konnte und Erfahrung oder Können egal waren.
Gefochten wird in Hamburg mit sogenannten Korbschlägern nach einem strengen Fechtreglement, dem Hamburger Waffenring-Comment. Die Fechter - Paukanten genannt - sind während der Mensur vom Knie bis zum Kinn sowie am Fechtarm mit einer speziellen Schutzkleidung versehen. Augen, Nase und Ohren sind durch eine stählerne Paukbrille vor Verletzungen geschützt. Frei bleiben die Wangen und der Kopf.
Die Paukanten stellen sich im Abstand von etwa einer Schlägerlänge gegenüber und beginnen auf das Kommando "... Hoch bitte! ... Fertig! ... Los!" gegeneinander Hiebe auzutauschen.
Eine übliche Mensur geht über dreißig Gänge. In einem Gang soll jeder Paukant je fünf scharfe Hiebe schlagen. Mit Ende eines solchen Schlagabtausches fallen mit "Halt!" die "Sekundanten" ein, die dem Paukanten während der gesamten Partie zur Seite stehen. Sie schützen ihn vor Unregelmäßigkeiten, prüfen ständig den Sitz seiner Schutzkleidung und geben ihm Zuspruch und taktische Hinweise.
Sogenannte "Testanten" desinfizieren zwischen den Gängen die Klingen der Waffen, während ein Dritter, der "Schlepper", den immer schwerer werdenden Arm des Paukanten stützt. Nach fünfzehn Gängen wird eine Pause eingelegt und wenn alles gut geht, endet die Partie mit dem letzten, dem Ehrengang. Wie der erste Gang, ist er nach altem Brauch ein kurzer Anhieb bei aufgesetzter Couleurmütze - er soll dem Gegner Respekt bezeugen und ist Symbol, dass dieser Zweikampf kein Duell, sondern ein frei gewählter Waffengang ist.
Wird ein Paukant unter der Deckung an Kopf oder Wange getroffen, entscheidet ein anwesender approbierter Arzt, ob die Verletzung eine Fortsetzung der Mensur gestattet - meist ist dies der Fall. Wenn nicht, wird die Partie abgebrochen und der getroffene Paukant abgeführt. Ein "Schmiss", so heißt eine bei der Mensur erlangte Verletzung, wird an Ort und Stelle ärztlich versorgt.
Während der Partie sind die Bundesbrüder der jeweiligen Kontrahenten am Austragungsort der Mensur, dem "Pauklokal", anwesend. Meist in Erinnerung an ihre eigenen Mensurerlebnisse, fühlen sie hautnah mit, was ihr fechtender Bundesbruder gerade empfindet.
Kaum hat sich jedoch nach Ende der Partie die Spannung gelöst, sind sie es, die nüchtern und streng entscheiden müssen, wie sie die Leistung ihres Paukanten bewerten sollen. Wie waren Fechtstil und Technik, wie waren Haltung und Moral - ja, hat der Bundesbruder "seinen Mann gestanden", oder war es eine "Zitterpartie", wie es uns die Studentensprache überliefert? Kommt dieser Mensurburschenkonvent zu einem positiven Urteil, dann "zieht" die Partie als "genügend".
Ist damit also nur einer der auferlegten Pflichten genüge getant? Nein, darum geht es nicht! Die Bedeutung der Mensur liegt nicht darin, zu zeigen, dass man sich einem lästigen, von außen auferlegten Zwang unterwerfen kann.
Im Gegenteil! Die Bereitschaft zur Mensur ist eine persönliche Entscheidung. Sie ist äußerster Ausdruck des freien Willens, sich einer körperlichen und geistigen Ausnahmesituation auszuliefern und sie kontrolliert und beherrscht durchzustehen. Es ist die schiere Überwindung ureigenster Angst vor möglicher Verletzung. Sie wird natürlich auch gestützt durch den unbedingten Willen, seinen Bundesbrüdern zu zeigen, wie wert einem die Zugehörigkeit zur Verbindung ist. Aber nicht nur!
Während man die Technik des Fechtens in täglichen Paukstunden lernen kann, sind Haltung und Moral in der Mensur Ausdruck von Charakter, Mut und Willensstärke - so, wie man sie in sich trägt. Und dies zu fördern, darum geht es!
Es ist unbedeutend, ob man sich nach der Partie als Gewinner oder Verlierer fühlt - die Mensur kennt keinen Sieger. Gewonnen hat auch nicht die Verbindung. Allein gewonnen hat der Einzelne, der sich selbst überwunden hat und der weiss, dass er noch im Äußersten über sich hinausgewachsen kann und Kraft schöpft aus dieser Erkenntnis.
Alle Bundesbrüder eint dieses Erlebnis der Mensur: vom jüngsten Fuchs, der gerade seine Rezeptionspartie geschlagen hat, bis zum ältesten alten Herren, dessen letzte Mensur wohl schon vor 130 Semestern war und dessen Schmisse längst versunken sind in den Zeichen seiner Alterswürde.
Wir nehmen in Kauf, kritisiert zu werden, weil wir Mensuren fechten. Auch nehmen wir es hin, wenn manch hoffnungsvoller junge Student nicht zu uns stößt, weil er sich die Mensur nicht zutraut. Wir bleiben dennoch bei diesem Prinzip, denn wir wissen, dass es immer Menschen geben wird, die persönliche Gefahr um einer Überzeugung willen auf sich nehmen und die es für eine Gemeinschaft tun - diese Menschen wollen wir gewinnen.
Wenn Sie sich für einen solchen Menschen halten, dann seien Sie uns willkommen!
Gerne laden wir Sie ein, an einer "Paukstunde" (Übungsstunde) teilzunehmen. Fragen Sie nach einem Termin.
Weitere Antworten auf Fragen zur Mensur finden Sie auf der Seite unseres Dachverbandes des Coburger Convents. Auch in der Internet-Ezyklopädie WIKIPEDIA finden sich aufschlussreiche Erläuterungen.
Wer dann immer noch meint es sei stilvoller sich mit einem Gummiseil um die Füße den Hamburger Fernsehturm hinunterzustürzen, der studiere bitte den Artikel des Waffenbruders J. Christoph Amberger, Corps Hannovera zu Göttingen. Die wohl eindringlichste Beschreibung der Mensur die man derzeit im WWW lesen kann.