Alter Herr
Ein jedes Studium neigt sich einst dem Ende und nach Examen oder Promotion folgt das Berufsleben. Zeit für einen Burschen, der Aktivenzeit Lebewohl zu sagen und sich philistrieren zu lassen.
Die Aufnahme in die Altherrenschaft erfolgt auf Antrag, über den der Altherrenconvent entscheidet. Bedingung ist der Abschluß des Studiums durch Abschlußprüfung und Eintritt in den Beruf. Es soll eine gesicherte Lebensstellung erkennbar sein, denn nun wird man vom Konsumenten fröhlich kostenfreier Aktiven-Lustbarkeiten zum Mitfinanzier des Bundeslebens. Das Generationenprinzip macht sich hier vor allem bemerkbar durch regelmäßige Jahresmitgliedsbeiträge und den Beitrag zum sogenannten „Hausbaustein“. Die Mitgliedsbeiträge fließen in den Aktivenbetrieb und in die Bundesveranstaltungen. Der Hausbaustein wird für die Instandhaltung des Verbindungshauses verwendet.
Doch erschöpft sich das Korporiertendasein eines alten Herrn nicht in der bereitwilligen Finanzierung künftiger Aktivengenerationen. Jeder alte Herr ist aufgefordert, den Kontakt zur Aktivitas aufrecht zu erhalten und damit das Fundament des Lebensbundprinzips zu stärken. So freut man sich immer, wenn ein alter Herr die Aktivitas besucht, an Veranstaltungen teilnimmt, oder den Fuchsenstall und die Aktivitas zu sich nach Hause einlädt, egal wo das sein mag.
Auch muß der Bund geführt und die Bundesfamilie betreut werden. So gibt es in der Altherrnschaft fast mehr Ämter als in der Aktivitas. Der Alte-Herren-Verband als eingetragener Verein, der Studentenwohnheim- betreuungsverein e.V. und der Hausverein bieten ausreichend Betätigungsfelder.
Die Altherrenschaft wacht im Stillen über den Erhalt der Prinzipien und Ziele des Bundes und greift helfend ein, sollte die Aktivitas Orientierung brauchen. Der engere Vorstand der Altherrenschaft hat dazu stets Sitz und Stimme auf dem Burschenkonvent.
Viele AH trete einer Sektion der „Vereinigung der Alten Herren des Coburger Convents“ (VACC) in der Nähe ihres Wohnorts bei. Bei gelegentlichen regionalen Veranstaltungen halten sie so Kontakt zu den ortsansässigen Verbandsbrüdern. Dabei bemühen sich die alten Herren auch potentiellen Nachwuchs aufzutun und als „Keilgäste“ an die Aktivitas zu empfehlen.
So endet mit dem Dasein als alter Herr zwar die Aktivenzeit, aber nicht die aktive Zugehörigkeit zu unserer Studentenverbindung. In den Gremien und Initiativen der Altherrnschaft gibt es stets ehrenamtliche Betätigungsfelder die dem Wohl des ganzen Bundes und der Betreuung der Bundesfamilie dienen. Vor allem aber soll der Kontakt zum aktiven Bund nicht abreißen.
Wer unentwegt am Prinzip des Lebensbundes festgehalten hat, dessen Mitgliedschaft endet mit dem Tod. Tritt ein Bundesbruder ab, erweist man ihm die letzte Ehre durch Chargieren an seinem Grab. Als letzte bundesbrüderliche Handlung wird dem Verstorbenen Band und Mütze in das Grab gegeben.
Wohl kaum bei einer anderen Institution, als einer Studentenverbindung, wird das Ende einer langen Gefährtenschaft so intensiv empfunden. Die Bilder der vielen dahingegangenen Bundesbrüder, welche die Wände unseres Kneipsaals zieren, legen deshalb Zeugnis ab über die Beständigkeit und das immerwährende Prinzip des Lebensbundes.
Keiner wird vergessen!